Warum denn jetzt einen SDS Baden-Württemberg?

Es klingt nach einer einfachen Wahrheit. Erziehung bestimmt, wer wir sind. Je autoritärer die Erziehung, desto autoritärer der Mensch. Das mag zwar nicht auf alle zutreffen, einige werden auch versuchen, aus den Strukturen auszubrechen, doch im Großen und Ganzen verengen sich die gesellschaftlichen Spielräume immer mehr.  
Auch die Erziehung an den Universitäten trägt ihren Teil dazu bei. In der Hoffnung auf freie Entfaltung und den Aufbruch in die akademische Welt wählt ein Großteil eines Abschlussjahrgangs das Studium zur weiteren Ausbildung. Dabei baut sich das Studium meist immer gleich auf: In den ersten Semestern wird man mit der schieren Menge an Stoff, Hausarbeiten und Klausuren überfordert. Eine eigenständige Auseinandersetzung mit den Themen ist aus Zeitgründen nicht möglich. Noch schlimmer, die Theorien werden meist nur oberflächlich behandelt, Grundlagen oft gar nicht beigebracht. In den darauffolgenden Semestern scheiden rund 30% der Studierenden, die sich die Scheiße nicht antun wollen, aus. Die restlichen 70% gewöhnen sich daran, mantraartig das nachzuplappern, was die ProfessorInnen sagen und in Klausuren und Hausarbeiten das eigene Interesse hinten anzustellen – Hauptsache die Note stimmt. Die Wissenschaft und das Interesse werden zur Nebensache – Feiern, Drogen, Spikeball oder Kraftsport zum Ausgleich oder gleich zum Hauptinhalt des Lebens. 

Das Resultat sind brave ArbeiterInnen, die machen, ohne aufzumucken. Schließlich hat man es ja über sein Studium so gelernt. Menschen, die im Staatsdienst, der Wissenschaft oder Privatunternehmen oftmals gesellschaftliche Macht übernehmen sollen. Das Studium ist zur Ausbildung 2.0 geworden, zur Ausbildung zu Staats- und WirtschaftsdienerInnen. 

Dabei war das Studium nicht schon immer so und muss auch nicht so bleiben.  

In den nächsten Wochen wollen wir deshalb in einer kleinen Kampagne noch einmal genauer zeigen, was wir mit der Autoritären Erziehung an der Uni meinen und warum wir uns als Studierende dagegen wehren müssen.  

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg! 


Das Buch das wir hier genommen haben steht exemplarisch für eine Art der Forschung wie sie sich an der Universität durchgesetzt hat: Staats- und Institutionenzentrierte Forschung. In dem Konkreten Beispiel sogar in der Absurdität auf die Spitze getrieben durch die Forschung eines „Weltethos Instituts“. Statt zu hinterfragen wie und ob es überhaupt möglich ist unendlich auf einem endlichen Planeten zu wachsen, welche Probleme sich ergeben werden wenn wir die Wirtschaft zwar „Entfossilisieren“ aber weiterhin nach immer mehr und mehr streben, wird eine grüngewaschene Werbebroschüre für die EZB veröffentlicht. Es wird nicht hinterfragt ob eine „sozialökonomische Wirtschaft“ überhaupt möglich ist oder im Interesse der Mitgliedsstaaten der EU wäre. Es werden Postulate Aufgestellt und übernommen die so direkt aus der Wirtschaft und den EU-Institutionen kommen könnten oder im Falle dieses Buches auch teils tatsächlich kommen.  

Nun mag es nicht falsch sein den Rahmen und die Wirkmacht verschiedener Institutionen zu erforschen und wir wollen auch den Forschenden keinen gewissen kritischen Blick absprechen. Wir wollen niemandem vorschreiben was sie zu tun oder zu lassen haben. Dennoch wird die universitäre Wissenschaft ihrer Aufgabe als neutrale Lehreinrichtung nicht gerecht, wenn die Forschung und Bildung um die eigenen staatlichen Bedürfnisse und Institutionen kreist. Grundlegend hinterfragende Forschung sollte die Regel statt die Ausnahme sein. Aber klar, wer hinterfragt kriegt kein Geld mehr. 

Wir Studierende können etwas dagegen tun. Wir können nerven, stören, streiken und boykottieren. Auch von vielen Dozierenden wissen wir, dass dieses System nicht in ihrem Sinne ist.  

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


Im Studium geht es heutzutage mehr um das Sammeln von Punkten als um das Sammeln von Wissen. Um das Studium international Vergleichbar zu machen wurde 2007 das Bologna System mit Bachelor- / Master-Studiengängen und ECTS Punkten eingeführt. „Für einen Leistungspunkt wird eine Arbeitsbelastung des Studierenden (workload) im Präsenz- und Selbststudium von 30 Stunden angenommen.“. Statt also tatsächliches Wissen zu erzeugen und damit Studierende voranzubringen, die Studierenden auch tatsächlich dazu zu motivieren zu lernen statt nur bis zur nächsten Klausur zu denken, wird wie in einem Computerspiel die gesammelten Punkte, die nackte Zeit, der pure Grind zum entscheidenden Faktor. Dass dabei natürlich unterschiedliche Studierende nicht gleich lang für verschiedene Aufgaben brauchen ist egal. Für viele Studierende verkommt dadurch das Studium zum Punktesammeln. Es geht nicht um Inhalte, sondern darum wie fix ich so viele Punkte wie möglich sammele. Auch Dozierende berichten uns, dass sie große Unterschiede in der Mentalität der Studierenden vor und nach Bologna sehen. Wissen kann nicht quantifizierbar sein. Wir sollten voneinander lernen, statt uns von Klausur zu Klausur zu prügeln und in den Seminaren überfordert zu sein. Insbesondere Auffällig ist es in Seminaren mit Anwesenheitspflicht. 30 Leute von denen vielleicht 3 Anwesend sein wollen, maximal die hälfte den Text gelesen hat und vielleicht ¼ ihn verstanden hat, Spielen auf ihren Laptops Spiele, da sie sich nicht dafür Interessieren oder schlichtweg überfordert sind von dem was die Dozierenden sagen.  

Doch wir Studierende können etwas dagegen tun. Wir können nerven, stören, streiken und boykottieren. 

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


In den vergangenen Jahren hat sich die Art durchgesetzt, Parteien nicht anhand ihrer tatsächlichen Politik, in rechts und links einzugruppieren, sondern anhand ihrer Selbstbezeichnung. Wenn wir in die Medien schauen könnte man meinen die Partei Die Linke sei quasi die Stasi, die Grünen immer noch die Öko Sozialistische Partei die sie nicht einmal probiert haben zu sein und die SPD hätte die Godesberger Beschlüsse und die Ära Schröder nicht durchgemacht und sei ein sozialdemokratisches Bollwerk, dass sie nie waren.  

Wir sollten Parteien aufgrund ihrer Handlungen und nicht anhand ihrer Werbung bewerten. Dabei sind nach klassischer Definition Handlungen die mehr Gleichheit in der Gesellschaft schaffen Linke und diejenigen die Ungleichheit verteidigen oder ausbauen rechte Handlungen.  

Wir glauben den Rest könnt ihr euch selber denken. 

Doch dieses Denken haftet auch an den Universitäten 

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


Die vermeintliche linke Meinungsmacht ist von Rechts gebaut. Die Cancel-Culture existiert nicht. Die Meinungsmacht haben Großindustrielle und der Staat. Die meisten davon übrigens gut studierte Leute. 


Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


Studierenden wird oft vorgeworfen faul und unnütz zu sein. Wir wünschten es wäre so. Die Realität ist, dass Studierende buckeln um dann keinen Job zu bekommen. Im akademischen Raum ist der Wettbewerb ohnehin zu eng. Wissenschaft außerhalb dessen existiert faktisch nur in Unternehmen. Räume für Studierende die kritisch forschen wollen oder sich nicht zum Bückling von Reichen und Staat machen wollen bleiben gar nicht mehr, zu groß ist die Monopolisierung und zu gering die Ausdifferenzierung der Wirtschaft und Wissenschaft. 

Aus unserer Sicht sollte das jedoch für die Studierenden ein Ansporn sein: 

Alternative Lebensentwürfe wieder versuchen zu Leben, auf Angriff zu diesem Staat gehen, der uns ohne Zukunft seine Inhalte bis zum kotzen schlucken lässt, für unsere Interessen einstehen und Freiräume außer- und innerhalb von Staat und Wirtschaft erkämpfen. 

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


Müssen wir dazu noch mehr sagen? Wir Studierende und die Wissenschaft sollten nicht die Dienstleister der Regierung sein müssen. 

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


1967 enthüllten Studierende das Transparent bei der Rektoratsübergabe der Universität Hamburg. Anspielen wollten sie dabei darauf, dass der NS-Staat ein 1000-jähriges Reich errichten wollte. Da ein großer Teil der Professoren und Juristen des vorherigen NS-Staats einfach übernommen wurden, wollte man so gegen die NS-Traditionen die immer noch unter den Talaren der Professoren schlummerten vorgehen. Daraufhin schrie ein Professor: „Sie gehören alle ins Konzentrationslager!“ durfte jedoch nach kurzer Suspendierung weiter unterrichten. Es ging aber nicht nur um die NS-Traditionen. Es ging auch um die Elemente die den NS erst hervorgebracht und begünstigt hatten. Hierarchische und autoritäre Erziehung, elitäres Gehabe und reiche Parallelgesellschaften in den Verbindungshäusern und Wissenschaften die ideologische und praktische Wegbereiter des Faschismus waren. Heute sind wir in der Situation, dass viele Professoren und einige Fachrichtungen wie insbesondere die BWL oder Jura wieder verstärkt, autoritäre und elitäre Muster propagieren. Teilweise wurden insbesondere in den Rechtswissenschaften Strukturen und Inhalte seit der Weimarer Republik nie verändert. Wir können uns vorstellen wie gefährlich das wird, in Kombination mit einem Studium, dass ausschließlich darauf aus ist, dass wir wie religiös unserem Professor nachplappern sollen. 

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


Das politische Mandat war eine der umkämpftesten Forderungen der Studentenbewegung. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als das Recht von Studierendenvertretungen sich politisch zu äußern. Niemand würde bspw. bei Gewerkschaften auf die Idee kommen ihnen die politischen Äußerungen zu verbieten. Wir halten das für eine Selbstverständlichkeit. Studierende nehmen einen Großteil der Gesellschaft ein und ihre Vertretungen werden mundtot gemacht. Nachdem es kurzzeitig, nach knapp 30-Jährigem Verbot der Studentenvertretungen in Baden-Württemberg, wieder Studierendenvertretungen mit politischem Mandat gab, konnte es sich der Schwarz-Grüne Flecktarn der sich Landesregierung nennt nicht nehmen lassen das Mandat wieder abzuschaffen. Wir stehen dafür ein, dass die Studierendenschaft sich wieder umfassend politisch bilden und äußern darf. Ein Staat der seine Wissenschaft frei nennt muss so etwas zulassen, sonst muss er sich nicht Wundern wenn Antidemokratie wieder en-vogue wird. Wer könnte sich auch denken, dass eine undemokratische Gesellschaft keine Demokraten hervorbringt. 

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg 


Eine Person existiert an den Unis in Baden-Württemberg quasi gar nicht mehr. Dabei sind seine Analysen und die Analysen die auf ihn zurückgehen zutreffender denn je. Wir sehen jedoch auch die mangelnde Auseinandersetzung mit Marx in einem größeren Kontext. Grundlagen werden an den Universitäten nicht mehr beigebracht. Man liest eigentlich nur noch Paper, die Paper zitieren, die Paper zitieren, …, die Paper zitieren die irgendwann mal das Original gelesen haben und sich darauf beziehen. Wir fordern mehr Auseinandersetzung mit den Grundlagen. Wenn es das Ziel der Universität sein soll uns zu kritischen und hinterfragenden Wesen zu erziehen, dann soll sie uns auch die Mittel dafür an die Hand geben. Wir als Studierende könne dafür kämpfen. Was sollen die Professoren tun, wenn die Vorlesungen leer sind. Was sollen sie tun wenn niemand zu ihrer Klausur erscheint. Was sollen sie tun, wenn wir ihnen klar machen, dass wir hier sind um voneinander zu lernen und nicht um zu fressen bis wir ideologisch gemästet aus der Uni rausgehen. 

Die ganze alte Scheiße ist im Arsch. 

Deshalb braucht es jetzt einen SDS Baden-Württemberg